Arbeitskreis Radverkehr

Der ADFC ist die Interessenvertretung der Alltagsradfahrer, also kümmern wir uns auch um das tägliche Radfahren auf Göttingens Straßen. Straßen? Ja, Straßen! Wenn Sie hier den Begriff "Radweg" erwartet hatten, lesen Sie doch mal weiter unten nach. Letztlich geht es darum, schnell, sicher und komfortabel zum Ziel zu kommen. Und dafür brauchen wir ein gut geplantes, ausgebautes Radroutennetz. Die Schnellstraßen für den Radverkehr, sozusagen.

Zusätzliche Infrastruktur, wie z. B. Fahrabstellanlagen (und eben nicht die üblichen, billigen Felgenkiller) oder Fahrradmitnahme in Bus und Bahn sind weitere Bausteine für ein fahrradfreundliches Göttingen. Letztlich kommt es aber darauf an, dass das Fahrradfahren auch positiv wahrgenommen wird, insbesondere natürlich bei Politik und Verwaltung, aber ebenso in der Öffentlichkeit.

Verkehrspolitisch haben wir in der Stadt Göttingen im Jahr 2007 daran mitgewirkt, dass die Lange Geismarstraße östlich der Kurzen Geismarstraße nach dem Umbau von Radfahrern stadtauswärts in Gegenrichtung befahren werden darf. Am Thema Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung bleiben wir in regelmäßigen Gesprächen mit der Stadtverwaltung und den Ratsfraktionen weiter dran. Das Gleiche gilt für das Dauerthema Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht. Hier konnten wir in der Güterbahnhofstraße die Aufhebung der gerade eingeführten Radwegebenutzungspflicht erreichen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Einrichtung von Fahrradstraßen, die Radfahrern Vorrang gegenüber anderen Fahrzeugen einräumen. Hier wird als nächstes eine Route Sternstraße - Elbingerstraße als Radfahrer freundliche Verbindung zwischen Innenstadt und Kiesseekarree eingerichtet. Weitere Fahrradstraßen sollen folgen und werden von der Stadtverwaltung geprüft. Ergänzend hierzu haben wir den Vorschlag unterbreitet, innerhalb der Göttinger Innenstadt alle nicht in die Fußgängerzone einbezogenen Straßen als Fahrradstraßen auszuweisen und damit zur weiteren Verkehrsberuhigung um die Fußgängerzone herum eine Fahrradzone zu schaffen, in der alle Fahrzeuge nur mit mäßiger Geschwindigkeit (25 km/ h) fahren dürfen.

Auch beim Thema Fahrradabstellanlagen sind wir etwas weitergekommen: In der Innenstadt wurden beim Carre zusätzliche Fahrradständer aufgestellt.

Zum geplanten Fahrradlift auf die Zietenterrassen haben wir uns eher kritisch geäußert, da wir meinen, dass die Stadt zunächst die vielen Alltagsprobleme des Göttinger Radverkehrs energischer angehen sollte (z. B. die durchgehende Asphaltierung des Leineradwegs und des Radweges hinter dem alten Stadtfriedhof, das Aufstellen von mehr Fahrradabstellbügeln in der Innenstadt und am Bahnhof und die verschwenkungsfreie Gestaltung von Radwegen in Kreuzungsbereichen).

Bei den regelmäßigen Treffen mit dem Verkehrsplanungsamt bringen wir unsere Kritik und Verbesserungsvorschläge zu speziellen Punkten innerhalb der Stadt Göttingen vor. Für Anregungen und Hinweise auf Gefahrenstellen oder Mängel, die die von Fahrradfahrern benutzten Wege betreffen, sind wir jederzeit dankbar, weitere Mitstreiter in unserem Arbeitskreis sind sehr willkommen.

Wir treffen uns an jedem 1. Mittwoch im Monat um 19.00 Uhr im ADFC-Büro.
e-mail: verkehr@adfc-goettingen.de

Artikel zum Thema

Illegal? - Total egal!
Radweg ist nicht gleich Radweg

Die Verkehr-Seite des ADFC Bundesverbandes


Illegal? - Total egal!

Verschneiter Radweg Das blaue Radwegschild bedeutet: Hier muss man als Radfaher/in fahren, ohne Schild darf man auch die Fahrbahn benutzen. Nur: Wer entscheidet eigentlich, wo die Schilder hängen?

Eigentlich erscheint es ja müsig, sich darüber Gedanken zu machen, schließlich sind Radwege doch was gutes, oder? Keine bösen Autos, viel Platz und Ruhe zum Fahren, wunderschön glatte Oberflächen: Hört man die Verkehrsplanern, könnte man sowas fast glauben - die Praxis sieht anders aus. Wieviele Radwege gibt es in Göttingen, die

  1. breit genug sind zum Uberholen,
  2. nicht versteckt hinter Büschen oder Parkreihen verlaufen,
  3. überrsichtliche Kreuzungsbereiche haben,
  4. nicht regelmäßig zugeparkt sind,
  5. eine vernünftige Oberfläche besitzen und
  6. auch im Winter bei Eis und Schnee benutzbar bleiben?

Dazu kommt, dass das Fahren auf Radwegen schon per se nicht sicherer ist als das Fahren auf der Fahrbahn.So ergibt sich aus detailierten Unfallanalysen, dass Radfahrer auf einem Radweg einem etwa 3-fach höheren Unfallrisiko ausgesetzt sind, als wenn sie die gleiche Fahrtrichtung auf der Fahrbahn wählen würden. Bei einem linksseitigen Radweg liegt das Risiko sogar etwa 12-fach höher.

Also bleibt doch die Frage, wo und warum muss man Radwege eigentlich benutzen? Die erste Antwort ist klar: Beginnt ein Radwegabschnitt mit einem blauen Radwegschild, muss er benutzt werden (bis zur nächsten Querstraße). Aber warum hängen diese Schilder üerall? Laut den Verwaltungsvorschriften zur StVO (VwV-StVO) darf die Straßenverkehrsbehörde solche Schilder nicht wahllos aufhängen (Folge der StVO-Novelle von 1997), sondern ist an strenge Mindestkriterien gebunden. Das interessiert gerade in der Göttinger Stadtverwaltung aber kaum jemanden. Obwohl die meisten Radwege in Göttingen nicht annähernd den Mindestkriterien genügen, sind die meisten davon beschildert. „Aussitzen!“ scheint die Parole zu lauten. Da Verkehrschilder aber Verwaltungsakte sind, kann man dagegen auch Widerspruch einlegen, sogar erfolgreich  (siehe das Berliner Urteil). Für die Erkenntnis, dass die Straßenverkehrsordnungen (StVO) nicht nur für Verkehrsteilnehmer, sondern auch für Verwaltungen gilt, müssen wohl erst noch ein paar Gerichte in Deutschland bemüht werden.


Falschparker auf Radweg

Radweg ist nicht gleich Radweg

Der ADFC ist die Interessenvertretung der Alltagsradfahrer, und fordert deshalb ... Radwege? Radfahrer-Reservate? Radfahrer-Zoos? Oder: Warum der ADFC keine Radwege fordert!

Manche Kommunalpolitiker und Verwaltungsmenschen schmücken sich gerne mit dem Hinweise auf die vielen, vielen Kilometer Radwege, die man ja extra fuer die Radfahrer gebaut hätte. Und leider: Die meisten Radfahrer glauben es. Doch seit Oktober 1998 kann man oft die eigentlichen Beweggründe erkennen. Mit Inkrafttreten einer neuen, differenzierten Radwegebenutzungspflicht in der Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt es nun zwei Klassen von Radwegen, solche mit blauem Schild (benutzungspflichtig) und solche ohne Schild (nicht benutungspflichtig). Wo die Schilder hängen (dürfen), entscheiden in der Regel die Kommunen, wobei sie allerdings Mindestkriterien  zu beachten haben. Doch nicht selten erlebt man ganz andere Intentionen: Es werden Horrorszenarien entwickelt, wenn auch nur ein Radfahrer auf dieser oder jener Straße eben nicht auf dem Radweg, sondern auf der Fahrbahn fahren würde. Zwar wird dann immer pflichtschuldig auf die "großen Gefahren" für den Radfahrer verwiesen, doch üblicherweise will man den (Auto-)Verkehr flüssiger gestalten. Also: 

"Radwege, um den Verkehr zu beschleunigen?"

Fussgaenger auf Radweg Wohl schon, denn zur Sicherheit der Radfahrer tragen sie vermutlich nur in Ausnahmefällen bei. Zweifel? Sicherlich, denn die meisten Radfahrer fühlen sich auf Radwegen subjektiv sicherer als auf der parallelen Fahrbahn. Aber: Eine detailierte Auswertung sämtlicher Unfälle in der Stadt Göttingen im Jahr 1992, bei denen Radfahrer beteiligt waren, ergibt ein ganz anderes Bild: ca. 70 Prozent dieser Unfälle fanden auf Radwegen statt! Hält man sich vor Augen, dass es in Göttingen gar nicht so viele Radwege gibt und dass ein Großteil des Radverkehrs auf der Fahrbahn stattfindet, muß dieses Ergebnis sehr zu denken geben. Aufwendigere Untersuchungen zu dieser Problematik in anderen Städten belegen die Gefährdung der Radfahrer durch Radwege ebenfalls. 

Der ADFC Göttingen setzt sich mit Nachdruck dafür ein, daß in Göttingen so wenig wie (rechtlich) möglich Radwegschilder hängen. Dies bedeutet nicht, daß es dadurch weniger Radwege gibt, sondern es eröffnet den Radfahrern die Wahlmöglichkeit zwischen Fahrbahn und Radweg. Letztlich dient dies nicht nur der Sicherheit der Radfahrer, sondern es stellt auch klassische Radverkehrsförderung dar: Denn Radfahrer wollen vor allem sicher, schnell und komfortabel ihr Ziel erreichen, und Radwege stehen dem regelmäßig sprichwörtlich im Wege. 


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